Hans Werner Olm im Xcentric-Interview

Xcentric: Lieber Herr Olm, schön, dass das mit dem Interview klappt. Sie waren am 24. August mit ihrer Show „Eine Laune der Natur“ in Baunatal live zu erleben. Was ist es für ein Gefühl, auf der Bühne zu stehen?

Olm: Für mich als Comedian, und da spreche ich für viele meiner Kollegen, kommt die Bühne immer an erster Stelle. Der direkte Kontakt mit dem Publikum ist immer wieder eine Herausforderung. Ich möchte die Leute nicht so bespielen, wie sie es erwarten. Ich probiere gerne mal alles aus, um zu sehen, wie weit man gehen kann. Damit ich auf der Bühne auch meinen Spaß habe. Und dass die Tour jetzt endlich losgeht, darauf freue ich mich richtig.

Xcentric: Sie sind der Grandseigneur der deutschen Unterhaltungsszene. Ein weiter Weg bis dahin. Gleich 20 Jahre nach Ihrer Geburt in Bochum gingen Sie, eigentlich gelernter Konditor, nach Berlin. Was hat Sie dazu bewogen?

Olm:
Ich hatte keine Lust auf Bundeswehr. Und in Berlin war man davon befreit. Auch ging mir mein damaliges Umfeld auf den Sack. Zudem hatte ich immer diesen Freiheitsdrang (typisch Wassermann) und ich wusste, Berlin ist für mich das richtige Pflaster. Ich wusste, hier geht was.

Xcentric: In Berlin machten Sie sich relativ schnell einen Namen. 1976 gründeten Sie mit Jürgen von der Lippe die Gebrüder Blattschuss und brachten auch eine eigene Single heraus. Schon bald waren Sie Gast bei Rudi Carrell, tourten mit Karl Dall durch die Lande. Wie kam der Kontakt zu diesen Künstlern zu Stande?

Olm:
Wir traten alle in den gleichen Clubs auf. So entstanden Freundschaften und künstlerische Abhängigkeiten unter dem Motto „Komm, wir machen mal was zusammen“. Damals war das so genannte Showbiz noch nicht so professionalisiert und Spaß stand an erster Stelle. Das ganze nannte sich dann Berliner Szene und da wollte man schon gerne dazu gehören.

Xcentric: Heute sind Sie nicht zuletzt durch die von Ihnen gespielten Charaktere bekannt. Jeder kennt Luise Koschinsky, Paul Schrader, Günni Schwagalla, Iff oder Gunther Terbrüggen. In welche Rolle schlüpfen Sie am liebsten?

Olm:
Ich mag sie alle. Jeder dieser Charaktere ist ein Teil von mir. Aber Luise Koschinsky ist schon der Knaller. Mit ihr habe ich meine weibliche Seite entdeckt. Und als Paul Schrader darf ich mal als sprechender Phallus in Erscheinung treten. Als ein Mann, von dem die holde Weiblichkeit nachts in ihren Betten träumt, während ihre Männer in die Kissen röcheln.

Xcentric: Was macht diese Person aus?

Olm: Man darf so schön Macho sein. Und das Verrückte ist, es funktioniert – zumindest auf der Bühne. Die Frauen, also die selbstbewussten, stehen drauf.

Xcentric: Auch im Kino sind sie als Schauspieler und Synchronstimme schon öfter in Erscheinung getreten. Sie scheinen viele Talente zu haben. Was macht Ihnen eigentlich am meisten Spaß?

Olm: Ich brauche Herausforderungen und die bieten sich in diesem Job dutzendweise. Gut, manchmal kann es auch hinderlich sein, wenn man so viele Talente unter einen Hut bringen will. Andererseits ist für mich der Spaßfaktor entscheidend.

Xcentric: Auf der Eine Laune der Natur Tour bringen Sie als fleischgewordenes Elektronenrastermikroskop Licht ins Dunkel menschlicher Irrungen und Wirrungen. Wie geht das denn?

Olm: Ich denke, ich bin ein guter Beobachter. Und wo man hinguckt nur Bekloppte. Man geht vor die Tür, und schon läuft der Wahnsinn an einem vorbei. Da gibt es viele Situationen und Merkwürdigkeiten, die der Alltag so mit sich bringt. Das schöne ist, der Mensch bleibt immer gleich. Was wollen wir? Wir wollen ein Dach überm Kopf haben, ein bisschen meckern, kuscheln, in Urlaub fahren, nebenbei vielleicht etwas Kultur. Das sind die Grundelemente. Ich liefere auf der Bühne dazu das “Rezept”. Olm auf der Bühne sehen ist wie 80 Jahre selbst gelebt haben.

Xcentric: Am 30. September treten Sie in Göttingen auf und am 4. Oktober in Kassel. Das muss doch Gründe haben.

Olm: Ja klar, wir kommen zufällig an diesen Städten vorbei. In dieser Gegend hat das Publikum ein gutes Gespür für das gefährlich Normale. Und das motiviert: ich sag mal so, wenn es in Kassel oder Göttingen funzt, dann funktioniert’s überall.

Xcentric: Was können wir in Zukunft von Ihnen erwarten?

Olm:
Im Herbst gehe ich wieder auf Tour mit meiner Show „Eine Laune der Natur“ und auf ProSieben startete am 27. August die neue Staffel meiner Comedy-Serie „Olm unterwegs“ (immer montags um 22.45 Uhr). Ich will Luise Koschinsky in die Charts bringen und ein Hörbuch machen. Und 2008 kommt schon mein neues Programm auf die Bühne: „Show must go Olm!“

Das Interview führte Björn Schönewald

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