Voc’n'Roll: The Baseballs im Interview

TheBaseballs_SvenSindtSie sind eine der absoluten Newcomerbands aus 2009, treten auf hunderten Bühnen in deutschen Städten auf und touren mittlerweile auch durch viele europäische Länder. The Baseballs, bestehend aus den drei Bandmitgliedern Sam, Digger und Basti, covern aktuelle Charthits wie “Love In This Club”, “Pokerface” oder “Hey There Delilah” – und das im besonderen Stil. Denn die Songs werden als 50er-Jahre-Versionen aufgenommen und bekommen so eine ganz neue Richtung. 2007 in Berlin gegründet, veröffentlichte die Band im Mai vergangenen Jahres ihre erste Single “Umbrella”, das Album “Strike” folgte wenig später und stieg in den Deutschen Albumcharts auf Platz Sechs ein. Xcentric traf die jungen Künstler exklusiv vor einem ihrer Tour-Konzerte. Sänger Digger konnte wegen Krankheit leider nicht beim Interview dabei sein.

Xcentric: Woher kommt diese Begeisterung für die Musik aus den 50ern?

Sam: Soll ich anfangen, Basti?
Basti: Mach Du mal.
Sam: Okay. Also bei uns allen war das eigentlich letztendlich so, dass wir schon im relativ frühen Kindesalter den Kontakt mit Rock’n’Roll und mit der Musik bekommen haben. Es war irgendwie bei uns allen so, dass der erste Tonträger den wir gehört haben, also neben Benjamin Blümchen oder so was, Rock’n’Roll war. Bei mir war’s Elvis Presley und ich hab ne Platte im Zimmer meines Bruders gefunden. Digger hat ne Kassette zu Weihnachten geschenkt gekriegt und Du auch ne Kassette.
Basti: Genau.
Sam: Von da an war’s quasi um mich auch geschehen und das war so die Musik, bei der ich wusste – ‚Okay he, das ist Spaß, das ist Fun, das ist Gute-Laune-Musik’ – und seitdem bin ich eigentlich der Rock’n’Roll-Musik verschrieben und so ähnlich ist es bei uns allen.

Xcentric: Zu den Songs: Ihr schafft es mit Euren Coverversionen selbst Hits, die man im Original schrecklich findet, zu Lieblingsliedern zu machen. Wer wählt die Tracks aus, die Ihr letztlich aufnehmt und performt?

Basti: Also im Endeffekt bringt jeder von uns irgendwie Songs ein. Es ist wirklich so, dass wir gar nicht mehr normal unterwegs sein oder Radio hören können. Wir hören eigentlich jeden Song der irgendwie läuft so „Mh, könnte der funktionieren als Rock’n’Roll?“ – das kann sehr nervig sein für den Beifahrer. (lacht)
Sam: Darum fahr ich auch mit Basti gar nicht mehr Auto. (lacht)
Basti: Ja, dann fängst Du an „Schuwa“ zu machen und ich „Schuwab“, das is dann total schlimm. (lacht) Nein, wenn’s dann ne Idee gibt für nen Song, dann nehmen  wir den einfach mit in den Proberaum, stellen das den anderen vor und dann wird das wirklich mit der gesamten Band erarbeitet und dann gucken wir mal. Am Ende steht dann meistens ein schöner, neuer Song.

Xcentric: Durch Eure Homepage-Infos und Euren Blog bekommt man einen guten Eindruck davon, was Euch Spaß macht. Jetzt interessiert uns natürlich auch das Gegenteilige: Was nervt Euch total an, was geht gar nicht, was regt Euch auf?

Sam: Also wir sind eigentlich, glaub ich, alle recht ausgeglichen. Das ist gerade auch das Gute. Also wir haben jetzt zum Beispiel gedacht, wenn wir jetzt vier oder fünf Wochen auf Tour sind, dass es da mit Sicherheit mal irgendwas gibt, wobei man sich dann anzickt oder wobei es dann auch Streitigkeiten gibt, aber überraschenderweise haben wir alle festgestellt, dass wir da echt irgendwie so das Händchen für haben. Wenn wir sehen, dass es einem gerade in dem Moment irgendwie nicht so gut geht oder dass der jetzt gerade vielleicht nicht so nen guten Tag hat, dann lässt man dem auch irgendwie seinen Freiraum oder lässt ihn auch ma en bisschen in Ruhe und sieht dann tatsächlich ein, wie alles doch recht ausgeglichen ist.
Basti: Es ist eben auch sehr wichtig, dass keiner irgendwie ne Egonummer schiebt. Wir sind mit 13 Leuten in einem Bus unterwegs und da muss sich jeder auch mal zurücknehmen und der Gemeinschaft zuliebe muss man auch mal Kompromisse machen. Das funktioniert sehr gut bei uns.
Sam: Da sind natürlich dann so Sachen, wenn man nicht richtig schläft oder so, das nervt einen dann. Aber dann sind da die Leute im Bus, die einen doch wieder motivieren können und dann ist doch alles wieder gut.

Xcentric: Wenn Ihr zwischendurch Zeit für Eure Hobbies findet, was macht Ihr dann?

Sam: Ich geh total gern ins Fitnessstudio.
Basti: Eeeecht? (lacht)
Sam: Ja, also das mach ich schon seit meinem 15. Lebensjahr und das ist schon ein Teil von mir und meinem Leben. Das brauch ich zum Beispiel auch als Ausgleich. Wenn ich im Fitnessstudio bin, dann komm ich echt immer gut gelaunt wieder und dann ist alles echt super. Ansonsten zeichne ich auch ganz gerne und Gitarre spiel ich auch .. und ins Kino geh ich auch ganz gerne-
Basti: … mit Freunden treffen, Reiten, Lesen… (lacht) Also ich hab ein ganz spektakuläres Hobby, ich spiel nämlich gerne Fußball.
Sam: Näää!
Basti: Ja, das ist so mein Lieblings-Hobby nach Atmen. (lacht) Aber zum Fußballspielen kommt man natürlich zu wenig. Was wir auf Tour schon gemacht haben, ist öfter ma ne Runde Tennis zu spielen. Das ist immer ganz cool. Wenn man mal guckt, ob irgendwo eine Tennishalle in der Nähe ist, von der Location in der wir gespielt haben. Dann haben wir immer mal ne Runde Tennis gespielt. Das war auch ein schöner Ausgleich.

Xcentric: Wie macht Ihr das mit dem Fitnessstudio?

Sam: Der Herr, der das organisiert, ist unser Tourmanager Saki. Der hat das so gemacht: Ich hab ihn darum gebeten, dass er mir bitte in jeder Stadt die größte Kette von Fitnessstudios raussucht, damit ich dann auch bis zum Soundcheck – also wir haben dann schon ne gewisse Zeit bis wir dann quasi bereit sein müssen – ein bisschen trainieren kann. Dann bin ich am Vormittag doch immer in irgendeinem Fitnesscenter.

Xcentric: Zeit für peinliche Geständnisse: Was war das Unangenehmste, das Euch jemals passiert ist?

Basti: Lustig war eine Situation auf der Bühne. Also wir bauen nach der Hälfte des Programms immer um, wobei wir die Mikros immer an die Seite stellen müssen. Mein Mikro steht rechts an der Bühne. Und dann haben wir so spezielle Monitorssysteme in den Ohren drin, womit jeder sich so en bisschen lauter hört, damit man seine Stimme entsprechend sauber treffen kann. Dann haben wir nach einem Akustik-Set-Umbau die Mikros vertauscht, -
Sam: Ich nicht, DU hast die vertauscht.
Basti: Ja, DU holst sie ja nicht! (lacht)
Sam: Ja ich, … so ist das ja auch geplant, Du musst die da ja einfach nur hinstellen!
Basti: Und dann, auf jeden Fall, fängt halt der Song an und ich merk auf einmal, dass ich Sam extrem laut höre und mich nicht mehr – da haben wir die Mikros vertauscht. Und dann mussten wir natürlich irgendwie dazu kommen, die wieder elegant umzutauschen. Also mussten wir den Song erst mal durch singen. Das war in dem Moment etwas irritierend für uns, deswegen sind die Mikros jetzt auch markiert.
Sam: Ja, da sind tatsächlich kleine Kleber drauf auf den Mikros. Das war ein bisschen unangenehm. Ich hab noch was Peinliches, das war aber auch irgendwie lustig. Hat aber nichts mit Konzerten oder so was zu tun. Ich war da mit ein paar Kumpels was trinken, es war alles auch irgendwie ganz lustig an dem Abend. Wir sind dann, als wir spät nach Hause sind, raus aus dem Laden und dann ist mir grad noch von drüben ein alter Freund entgegen gekommen. Mit dem hab ich dann ein paar Takte gequatscht und meine Leute sind schon da vorne zum Auto gelaufen. Ich hab dann halt mit diesem einen Herrn noch gequatscht und bin dann irgendwie später zum Auto, setz mich so rein, schnall mich so an und wundere mich, warum das so leise is im Auto. Und plötzlich schauen mich im Auto vier fremde Menschen an! Also ich hab mich in ein fremdes Auto gesetzt und mich angeschnallt und hab dann erwartungsvoll da drin gesessen und mich gefragt „Warum geht’s en nich los?“. (lacht) Und dann sag ich so „Oh, ich glaub, ich bin falsch.“ Zack, abgeschnallt und wieder raus und dann hab ich nur noch mitgekriegt, wie die sich im Auto den Ar*** abgelacht haben.

Xcentric: Ihr verbringt ja nun sehr viel Zeit miteinander. Könnt Ihr ein paar Besonderheiten/Eigenarten der jeweils anderen beiden Bandmitglieder zum Besten geben?

Basti: Digger ist manchmal wie aufgelöst. (lacht). Nein, Digger ist bei uns der kleine „Pyromane“ in der Band. Alles was an Pyroeffekten in der Show eigentlich passiert, hat er sich ausgedacht und in der Regel baut er es auch selbst.
Sam: Er beschlagnahmt dann auch den ganzen Bus und Du kannst Dich dann auch nirgendwo hinsetzen, weil der da am Irgendwelche‑Sachen‑nieten ist.
Basti: Halt son richtiger Bastler. Ja und Sam ist natürlich unser Elvis. Wenn man irgendne Frage zu Elvis hat, was irgendwie an dem und dem Tag war, dann weiß er das. Und was besonders schön ist, ist seine Actionfiguren-Sammlung, die ich mir gerne mal genauer angucken würde.
Sam: Elvis, ja! Die sehen echt cool aus! Das ist nicht irgendwie so ne billige Verarbeitung, so wie diese Bastelpuppen, die es damals überall gab. Es ist tatsächlich sehr detailliert und man erkennt ihn dann auch wirklich.
Basti: Was ist eigentlich der Actionfaktor? Macht der auch irgendwas?
Sam: Jaaa!
Basti: Was denn?
Sam: Der hat Präsenz! Ausstrahlung! Ne, der kann ganz viel. Du kannst ihn halt son bisschen bewegen, so die Arme und so.
Basti: Du packst die eh nicht aus.
Sam: Doch! Also, drei Stück hab ich ausgepackt, die anderen sind noch verpackt und auf’m Regal… Oh jetzt haben wir ja gar nichts zu Basti gesagt, tschuldigung! Also Basti ist auch irgendwie unser Organisationstalent. Wenn wir irgendwie wissen müssen, wann wir am nächsten Tag wo sein müssen, fragen wir entweder unseren Tour-Manager Saki oder Basti und er kann uns dann wirklich alles sagen. Und wo unsere Socken liegen, weiß er auch meistens.

Xcentric: Eine Frage, die sich wahrscheinlich nicht nur uns bei den Recherchen aufdrängte: Wie sind eigentlich eure bürgerlichen Namen?

Basti: Wir sind wie Cher. (lacht)
Sam: Die Namen sind für uns eine Form der Identifikation, weil es schon unsere Rufnamen waren, als wir ganz klein waren. So haben uns unsere Eltern immer schon gerufen, deswegen gehören die eigentlich ganz normal zu uns.
Basti: Die sagen wir selbst wenn wir ne Reise buchen.
Sam: Ja, selbst am Check-In heißen wir so.

Xcentric: Eure Strike-Live-Tour zählt ja nun schon ein paar Konzerte. Was waren die bisher einprägsamsten und vielleicht auch merkwürdigsten Momente?

Basti: Interessant war’s in der Schweiz, da haben wir fünf Konzerte gespielt. Also erst mal: Vergesst alles, was Ihr über die Schweizer Zurückhaltung gehört habt, das is überhaupt nicht so. Die sind sehr, sehr laut gewesen die Schweizer und die haben einen sehr schönen Brauch dort, den kennt man bei uns in Deutschland nicht. Den kannten wir vorher auch nicht. Die rufen nicht „Zugabe“, sondern machen so wie bei der Laola-Welle „Ohhhhhh“. Zum Glück hat unser Tour-Manager uns das vor der ersten Show gesagt, sonst hätten wir bestimmt gedacht, die buhen uns gerade aus oder so. (lacht) „Hä, wieso grölen die da draußen rum?“. Aber es ist ein sehr lustiger Brauch, worüber wir uns auch sehr gefreut haben. Wer macht mir denn schon viermal ne Laola und spielt dann den nächsten Song, sehr lustig.
Sam: Aber wie Basti schon gesagt hatte, ich glaub, dass die Schweizer auf jeden Fall nicht zurückhaltend waren. Bei jedem Konzert war irgendwie was Besonderes.
Basti: Das ist ja gerade das Schöne, dass irgendwie kein Abend wie der vorherige läuft. Man hat irgendwie jeden Tag seine Momente, worüber man sich freut, Reaktionen aus dem Publikum, mit denen man einfach nicht rechnet. Das ist dann schon immer das Schöne an der ganzen Geschichte, dass es kein 0-8-15-Programm ist.

Xcentric: Was habt Ihr vor Eurem Start mit The Baseballs gemacht?

Sam: Einen erlernten, ganz langweiligen Bürojob.
Basti: Was Anständiges!
Sam: Was Anständiges hab ich gemacht, ja. Was Handfestes. Also ich hab Bürokommunikationskaufmann gelernt, davor meine Fachhochschulreife gemacht und dann ne Ausbildung.
Basti: Digger hat Mediendesign studiert, DIPLOM Mediendesign.
Sam: Auf das DIPLOM legt er auch Wert.
Basti: De Dipl. Dipl. Digger. (lacht)
Sam: Man sagt auch im Schwabenland, wenn man nen „Dippel“ hat, ist man besoffen.
Basti: Echt?
Sam: Ja.
Basti: Ich hab en Dippel. Wenn Digger das dann sagt, „Ich hab en Dipl“, das kommt gut an. (lacht). Äh, ich bin auch Kaufmann, aber Kaufmann für Audiovisuelle Medien. Also auch ein ganz anständiger Bürojob.

Xcentric: Als Stadtmagazin aus Kassel interessiert es uns abschließend natürlich auch, ob auch unsere Leser in nächster Zeit mal die Gelegenheit bekommen werden, Euch live zu erleben. Ist denn ein Konzert in unserer Nordhessischen Metropole geplant?

Basti: Also wir würden uns natürlich sehr freuen, auch mal in Kassel-Wilhelmshöhe aussteigen zu dürfen. Da ist ja der große Umsteige-Bahnhof. Da sind wir schon ein paar Mal umgestiegen. Also wir planen jetzt für’s Frühjahr gerade die nächste Tour, da stehen die Städte aber noch nicht genau fest. Vielleicht ist da Kassel dabei, wir werden Kassel mal in die Runde werfen, auf jeden Fall, und vielleicht ergibt es sich ja dann. Also einfach auf www.thebaseballs.com nachgucken, da stehen alle Termine und Merchandising-Artikel und alles was Ihr braucht. (lacht)
Sam: Basti ist auch unsere Werbemaschine, um noch mal auf die andere Frage zurückzukommen. (lacht)

Das Interview führte Rebecca Röddiger

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